Quer durch’s südliche Eichsfeld auf den Spuren einer Bahntrasse im Dornröschenschlaf / 7. Juli 2018

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Auch während der Urlaubszeit ist der Trend zur Teilnahme an den FSG-Radtouren ungebrochen. Dies ist nicht nur alleine auf das abwechslungsreiche Tourenprogramm der Radfahrsparte zurückzuführen, sondern auch auf interessante Radtouren auf historischen Spuren. Genug der Vorrede. Am Samstag 7. Juli sitze ich um dreiviertel 8 Uhr im Cantus ab KS Hbf und es geht über HMÜ – wo Carola und Michael zusteigen – weiter bis nach Eichenberg. Dort steigen wir aus und Michael berichtet kurz über diesen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt auf den Linien Göttingen-Bebra, Halle-Kassel sowie Nebenbahnen vor und nach dem Ende des 2. WK.

Wir schwingen uns auf die Fahrräder und genießen die morgendliche Kühle. Der Tag verspricht wie erwartet sonnig und warm zu werden.

Nach sehr kurzer Zeit später befinden wir uns in der Nähe des 3-Länderecks Niedersachsen-Thüringen und Hessen. Weiter geht es teilweise parallel zur B80, teilweise abseits der B80 auf sehr gut ausgebauten Radwegen über Hohengandern, Arenshausen, Uder immer entlang der Leine bis in das Heilbad Heiligenstadt. Die gleichnamige Stadt ist Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld (EIC) und gleichzeitig wirtschaftliches, kulturelles und religiöses (rk) Mittelzentrum vom südlichen EIC sowie anerkanntes Sole-Heilbad. Wir fahren mit unseren Rädern durch den historischen mittelalterlichen Stadtkern und erreichen den stillgelegten Bahnhof Ost in Heiligenstadt – jetzt Museumsbahnhof, mit Museumsfahrzeugen und historischen Waggons. Die heutige Radtour wurde etwas modifiziert und wir werden auf einem Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse Heiligenstadt–Schwebda weiterradeln.

Die Bahnstrecke Heiligenstadt–Schwebda sollte die wirtschaftliche Erschließung des südwestlichen Eichsfeldes fördern. Diese Strecke wurde als Nebenbahn im Jahr 1914 in Betrieb genommen und nach dem Ende des 2. WK eingestellt. Die Gleiskörper wurden auf Anordnung der sowj. Militäradministration anschließend komplett entfernt – die Trasse blieb in großen Abschnitten jedoch bestehen und wurde zwischen Heiligenstadt und dem Ort Kalteneber als Radweg komfortabel ausgebaut.

Nach kurzer Zeit haben wir auch den Einstieg in den Radweg auf der ehem. Bahntrasse gefunden. Die Strecke verläuft durch ein großes zusammenhängendes Waldgebiet (Teil des Thüringer Waldes) und abseits von Straßen, dass Autos nicht einmal zu hören sind. Mit einem moderaten aber kontinuierlichen Anstieg zwischen 40 ‰ und 50 ‰ lässt sich der Radweg daher gut bewältigen. Der Radweg ist perfekt ausgebaut (asphaltiert) und die dichte Bewaldung schützt uns von der stärker werdenden Sonne. Wir erreichen den Ort Kalteneber und erfrischen uns im Dorfmittelpunkt unter einem beschatteten Plätzchen mit Getränken.

Mittlerweile haben wir eine Höhenlage von ca. 450 m ü. NN erreicht und können eine überragende Fernsicht in alle Richtungen des südlichen Eichsfeldes genießen. Wir fahren jetzt auf einer Landstraße abseits der Bahntrasse, weil die Bahntrasse zu DDR-Zeiten landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen musste. Zwischenzeitlich werden wir von einer großen Autokolonne des Typs Chevrolet Corvette unterschiedlicher BJ in respektablen Abstand überholt. Den V8 Sound der hochvolumigen Motoren hören wir noch lange nach. Wenig später ist dank des Windes von dem Gestank nichts mehr wahrzunehmen und wir biegen wieder auf den Radweg der ursprünglichen Bahntrasse ein.

Von weitem können wir den ehemaligen Wasserturm vom Bahnhof in Fürstenhagen (Lutter) erkennen, den wir wenige km später erreichen. Dieser Turm hatte den Zweck, die damaligen dampfgetriebenen Lokomotiven mit Wasser zu versorgen. In dem jetzt umgebauten Wasserturm befindet sich ein Informationszentrum, was wir aber nicht besucht haben.

Nach einem kurzen Foto-Stopp vor dem Turm mit anschl. Flüssigkeitsaufnahme fahren wir auf dem fest geschotterten Bahntrassenweg weiter vorbei an Dieterode. Zwischen den Orten Dieterode und Krombach verläuft der Bahnradweg durch ein Naturschutzgebiet. Der breite Radweg verengt sich hier durch den Bewuchs von Sträuchern, Ranken und Bäumen zu einem schmalen Wanderpfad. Fast könnte man denken, dass sich hier alles in einem Dornröschenschlaf befindet. Außer uns befindet sich sonst niemand auf dem Weg, keiner kommt uns entgegen und es kommen Zweifel auf, ob wir richtig sind. Ja sind wir!

Wir bleiben strikt auf dem Wanderpfad (Trasse) und kurz vor dem Ort Krombach mündet die ursprüngliche Trasse auf einen Wirtschaftsweg. Hier verabschieden wir uns dann von dem beschriebenen Bahnradweg und fahren auf einer verlassenen Landstraße weiter in den Ort Krombach. Nach einem kleinen Anstieg lassen wir „ruckzuck“ Krombach hinter uns, und ab jetzt geht’s auf Gefällstrecken durch den Ort Bernterode. Phänomenal auch die anschließende 2 – 3 km gut ausgebaute Abfahrt auf einsamer Landstraße hinunter nach Martinfeld (hier die optimale Möglichkeit Vmax der Räder zu testen). Nach wenigen Minuten sind wir dann schon an unserem Zwischenziel angekommen.

Im Landhaus „Am Westerwald“ lassen wir uns im Biergarten das wohlverdiente „Radler“ schmecken. Dazu gibt’s Mutzbraten nach Schmöllner Art (Schweinekamm/-schulter gegrillt über Buchenholz) – eine regionale Spezialiät. Die weltberühmte „Original Eichsfelder Stracke“ wird gleich miteingekauft, damit auch noch etwas für die „After Tour“ zu Hause in Erinnerung bleibt.

Nachdem wir uns gestärkt haben geht es weiter auf der sehr gut ausgebauten und wenig befahrenen Landstraße bergab durch die Orte Schimberg und Großtöpfer. Ab Großtöpfer verlassen wir die Landstraße und fahren auf dem Radweg über die thüringisch-hessische Landesgrenze. Hier erinnern nur noch die sog. Beton-Panzerplatten auf einer Länge von ca. 100 m an den ehemaligen Grenzverlauf an der ehemaligen deutsch/deutschen Grenze.

Wir erreichen den kleinen verschlafenen Ort Frieda den wir auch gleich durchqueren. Anders als geplant fahren wir dann über den Ort Schwebda, um dort noch Reste des ehemaligen Frieda-Tunnels mit Brückenresten der Bahnstrecke zu finden – leider vergebens. Jedoch können wir das Schloss Hotel Wolfsbrunnen**** (gehört bereits zu Meinhard) kurze Zeit später im Wald gut erkennen.

Wir fahren direkt durch den Ort Schwebda, überqueren die B249 und kommen kurze Zeit später zur Freizeitanlage am Werratalsee. Das Wasser leuchtet bei dem intensiven Sonnenlicht türkisblau und erinnert mit dem hellen Sand/Strandbad etwas an Karibik 😉

Viele Besucher der Freizeitanlage, Camper, Surfer, Badegäste tummeln sich am Strandbad des Werratalsees. Zum Baden kommen wir leider nicht sondern fahren weiter auf dem gut ausgebauten Radweg direkt zwischen Werrafluß und Werratalsee am Segelclub vorbei.

Über eine kleine Werrabrücke gelangen wir mit den Rädern direkt in die Altstadt von Eschwege. Auf dem Marktplatz lassen wir uns zum Abschluss noch ein Eis-Café schmecken, bevor wir zum Stadtbahnhof ESW weiterfahren. Der Cantus bringt uns wieder pünktlich nach Eichenberg und wir erhalten dort mit Umstieg/Anschlusszug unsere Ausgangsorte in HMÜ und KS.

Eine schöne Radtour durch das Eichsfeld geht hiermit zu Ende. Dank an Michael K. der viel Wissenswertes über diese Region berichten konnte und die historischen Spuren einer noch nicht vergessenen Bahnstrecke authentisch aufleben ließ.

KW

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